Ein pannonischer Gegenstempel der Ala II Arvacorum moreIn: Germania 62, 1984, pp. 47-54. |
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Sonderdruck
aus Germania 62, 1984, 1. Halbband
Ein pannonischer Gegenstempel der Ala II Arvacorum
Von Peter Kos, Ljubljana
Dem Phanomen der Gegenstempelung friihkaiserzeitlicher Bronzemiinzen
wurde in den letzten Jahren wiederholt Aufmerksamkeit zuteil. Verschiedenartige
Interpretationsversuche iiber deren Absicht wurden zur Diskussion gestellt: die
Erweiterung des Umlaufgebietes der gegengestempelten Miinzen1, die Verlange-
rung der Umlaufdauer von teilweise schon abgegriffenen Bronzepragungen2 bzw.
derjenigen Munzen eines Kaisers, der der damnatio memoriae verfallen war3;
ferner wurde die Garantie offizieller Pragungen4, eine Verbindung in Zusammen-
hang mit Anderungen des Gewichts- bzw. der Metallqualitat5 sowie auch eine
Interpretation der Gegenstempelung als politisches Propagandamittel * in Erwa-
gung gezogen. Fur manche Aspekte der Gegenstempelung sind aber noch immer
neue Erklarungen notwendig7. Daneben sind z.B. die Auflosungen bestimmter
Gegenstempel unterschiedlichen Interpretationen unterworfen8.
Im Licht dieser manchmal zwar unsicheren und teilweise spekulativen Erkla-
rungsversuche der vielschichtigen Problematik der Gegenstempelung wird hier ein
bisher unbekannter Gegenstempel aus der Provinz Pannonia vorgelegt, von dem
allerdings nur fiinf Exemplare nachweisbar sind.
Die zuerst in Deutschland systematisch betriebene Fundmunzenaufnahme9
bedingte eine teilweise einseitige Evidenz der gegengestempelten Bronzemiinzen
der friihen Kaiserzeit. Demzufolge wird die Gegenstempelung vielfach als charakte-
ristisch fur Militarstationen bzw. Zivilsiedlungen mit Militareinheiten10 in den
Nordwestprovinzen11 angesehen. D. W. MacDowall stellte nun fest, dafi der
1 RICI13.
2 RIC 1 14; H. A. Cahn, Jahrb. Schweiz. Ges. Urgesch. 37, 1946, 132; J.-B. Giard, Catalogue
des monnaies de PEmpire romain. I. Auguste. Bibliothequc Nationale (1976) 26. Im folgenden BNC
abgekiirzt.
3 BNC 26; R. Martini, Riv. Ital. Num. 82, 1980, 53 ff.
* BNC 26.
5 D. W. MacDowall, Num. Chronicle 6, 1966, 125 ff.; ders., Acta Numismatica 1, 1971, 83 ff.
6 M. Griinwald, Die romischen Bronze- und Kupfermunzen mit Schlagmarken im Legionslager
Vindonissa. Veroffentl. Ges. Pro Vindonissa 2 (1946); BNC 27.
7 VgL auch BMC I, xxviiiff.; K. Kraft, Jahrb. Num. u. Geldgesch. 2, 1950-1951, 21 ff.; C. M.
Kraay, Jahresber. Ges. Pro Vindonissa, 1954 — 1955, 55 ff.; ders., The behaviour of early Imperial
countermarks. Essays in Roman coinage presented to Harold Mattingly {1956} 112 ff.; M. Grant, The
Six Main Aes Coinages of Augustus (1953) 21 ff.; dcrs., From Imperium to Auctoritas 2{1969) 94 ff.;
R. Majurel, Ogam 17, 1965, 245ff.; T. V. Buttrey, American Num. Soc. Mus. Notes 16, 1970, 57ff.;
BNC 26 ff.; E. Cocchi Ercolani, Riv. Ital. Num. 83, 1981, 239 ff.
8 Vgl. z.B. MacDowall a.a.O. {Anm. 5, Acta Num.).
9 H. Gebhart, K. Kraft, H. Kuthmann, P. R. Franke, K. Christ, Jahrb. Num. u. Geldgesch. 7,
1956, 11 ff.
10 H. Chantrainc, Die antiken Fundmiinzen der Ausgrabungen in Neuss. Limesforsch. 8. Novae-
sium 3 (1968) 22; M. Mackenscn, Das romische Graberfeld auf der Keckwiese in Kempten. Cambodu-
numforsch. 4. Matcrialh. Bayer. Vorgesch. A 34 (1978) 28.
11 Kraay a.a.O. (Anm. 7, Jahresber. Ges. Pro Vindonissa) 56; H. W. Doppler, Der Munzfund
aus den galloromischen Tempcln auf Schonbiihl (Augst). Provincialia. Festschr. R. Laur-Belart (1968)
71; Mackensen a.a.O. (Anm. 10) 27ff.; ders., Jahrb. Num. u. Geldgesch. 28-29, 1978-1979, 14.
■IS
Peter Kos
Gegenstempel AVG fur Pannonien charakteristisch setl2. Dernenrsprechend nahm
man fiir die Schlagmarke AVG neucrdings pannonische13 bzw. sogar carnuntini-
sche 14 Provenienz an. Gegcn cine Gegenstempelung in Carnuntum sprichc aber
dieTatsache, daft das Gebiet von Carnuntum vor ca. 35/40 kaum standig bcsiedelr
wurde15.
Neben 19 im Gebiet von Carnuntum gefundenen Miinzmeisterassen mit dem
Gcgenstempel AVG 16 sind im Rahmen einer Untersuchung iiber die Gegenstempe-
lung in Illyricum 17 50 augusteische Bronzemiinzen mit dcr Schlagmarke AVG
nachweisbar. Diesc gegengestempeltcn Miinzen kommen im Siidostalpenraum18
bzw. in den Militarstationen cntlang der Save , der Drave und der Donau vor,
so z. B. in Nauportus, Emona, Celeia, Poetovio, Siscia, Mursa, Teutoburgium,
Cuccium, Acumincum, Burgenae, Taurunum u. a. Daher liegt es nahe, mit einer
Vcrwendung des Gegenstempels AVG auch in Pannonien zu rechncn. Aufgrund
des haufigen Vorkommens dieses Gegcnstempeltyps in Gallien19, Racticn20 und
bcsonders in Germanien21 einerscits und in Pannonien andererseits ergeben sich
zwei, wenn nicht sogar mehrere Gebiete an Rhein und oberer bzw. mittlerer
Donau, wo typglciche Gegenstempel Verwendung fanden22. Verschiedene, weit
voneinander entfernte Gebiete mit einem etwa gleich haufigen Vorkommen von
typgleichen Schlagmarken sind namlich auch fiir andere Gegenstempel, so z. B.
CAE und MP, dokumenticrt und entsprechen somit dem fiir den Gegenstempel
AVG beobachteten Phanomen.
11 MacDowall a.a.O. (Anm. 5, Num. Chronicle).
13 BNC29.
14 KMRO EI, 1 (Karnten) 38 Nr. 386. = H. Uannert u. G. Piccofini, Die Fundmiin7.cn vom Magda-
lensberg. KHrtncr Museumsschr. 52 (1972) 38 Nr. 386.
15 M. Griincwald, Zur Fruhzeit des romischen Carnuntum. Anz. Osterr. Akad. Wiss., PhiL-Hist.
Kl. 116, 1979, 7; dies., AVG — Carnuntincr Kontermarke ? Lirterae Numi>maticac Vindobonensis.
Roberto Goebl Dedicatac (1979) 81 f. — Bcsonders wichtig D. Gablcr, Mitt. Ges. Frcundc Camuntums,
Heft 3, 1981, 21 ff. - Vgl. auch H. Chantraine, Die anriken Fundmiinzen von Ncuss. Novaesium 8.
Limcsforsch. 20 (1982) 34 ff.
16 FMRO HI, 1 Nr. 167.169. 172.173.175. 197-202.205. 206.209-21U13.214; Fundber. Oster-
rcich 16, 1977, 608.
17 P. Kos, Die Gegenstempel auf den fruhkaiserzeitlichen Bronzemiinzen Jugoslawicns (in Vor-
bereitung).
18 P. Kos, Fundmiin/.en dcr romischen Zeit in Slowenien {in Vorbcrcitung).
" Mayenne: MacDowall a. a. O. (Anm. 5, Num. Chronicle) 126, Anm. 2 — Vindonissa: C. M.
Kraay, Die Miinzfunde von Vindonissa (bis Trajan). Vcroffentl. Ges. Pro Vindonissa 5 (1962) 59,
Nr. 290. 898. 1743.
20 Kempten-Keckwiese: Mackenscn a.a.O. (Anm. 10) 21, Nr. 17. — Augsburg-Oberhausen:
FMRD 17011, 152.162.
11 Mainz: FMRD IV 1148, 103.110-115; 1174, 36; 1197, 30. 38b. Ludwigshafen-Rheingon-
heim: FMRD IV 2210, 42; 2215, 16 - Trier: FMRD IV 3001, 41 Nr. II. - Haltern: FMRD VI 4057,
161. - Novaesium: Chantraine a.a.O. (Anm. 10) 24, 22 Excmplare.
22 SchonF.. Meyer,Schweiz.Num. Rundschau33,1947,51 hatinderBesprechung vonGrunwalds
Vindonissa (a. a. O. [Anm. 6)) z. B. auf geographischc Unterschiede der Kontermarkierung mit Gegen-
stempeln des gleichen Typs hinge wiesen. Grant a.a.O. (Anm. 7, Six Main Coinages) 22ff. intcrpre-
tierte dagegen die Gegenstempelung mit den typgleichen Schlagmarken mit chronologischen Unter-
schieden.
Ein pannonischcr Gegensrempel der Ala II Arvacorum
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Hinsichtlich der Untersuchungen von Schlagmarken aus Illyricum zeichnet
sich schon jetzt ab, dal? die bisherige Vorstellung iiber ein fast ausschlieSliches
Vorkommen von Gegenstempeln in den Nordwestprovinzen zu modifizieren istZ3.
Zugleich kann das Spektrum der bis jetzt bekannten Gegenstempel erweitert
werden.
Der pannonische Gegenstempel AL AR ist bislang unbekannt. Zudem kommt
ihm aber auch noch Bedeutung als wichtiges Dokument fur die friihkaiserzeitliche
Militargeschichte Pannoniens zu. Dieser Gegenstempel kommt auf fiinf augustei-
schen Miinzmeisterassen der Serien II und IV vor24 und findet sich immer auf der
Vorderseite vertikal vor dem Profil der Kaiserbuste, was m. E. auf eine sorgfaltige
und intentionelle Gegenstempelung hinweist. Bei den fiinf bekannten Assen wur-
den zwei verschiedene Gegenstempel verwendet. In dem rechteckigen Stempel sind
die Buchstaben A und L bzw. A und R ligiert und durch einen Punkt getrennt.
Dieser Punkt ist auf den Exemplaren Nr. 2 und 4 gut sichtbar, was wohl fur eine
Abkurzung von zwei Worten spricht25, die sich m. E. in AL(a) AR(vacorum)
aufldsen lassen.
Im 1. Jahrhundert waren die Ala I Hispanorum Arvacorum26 und ihre Schwe-
sterformation, die Ala II Hispanorum Arvacorum 27, in Pannonien stacioniert. Die
Ala I Hispanorum Arvacorum gehorte zum pannonischen Heer und hatte an der
quadischen Front seit der ersten Halfte des 1. Jahrhunderts ihr Standquartier im
Gebiet von Arrabona bezogen28. Im Jahr 149/150 gelangte die Einheit kurzfristig
in Mauretanien zum Einsatz. Die Ala wird immer als Ala I Arvacorum erwahnt29.
Die Ala II Hispanorum Arvacorum bezog in vorclaudischer Zeic ihr Stand-
quanier im Gebiet von Mursa-Osijek30 (Abb. 1). Angeblich in claudisch-nero-
nischer Zeit wurde sie nach Teutoburgium-Dalj an der Donau und unter Domitia-
nus in die Provinz Moesia Inferior verlegt31. Die Ala II Arvacorum ist auf Inschrif-
23 Heute ist namlich nur der Gegenstempel AVG als pannonischer bezeichnet (BNC 29), und nur
fiir eine geringe Zahl von Schlagmarken wird moesische bzw. rhrakische Provenienz als wahrscheinlich
angenommen (BNC 33 ff.).
24 Die Serien ceil ung der Miinzmeisterassen folgtK. Kraft, MainzcrZcitschr. 46 — 47,1951 — 1952,
28 ff.
23 Vgl. z. B. die Abkurzungen von mehreren Worten auf verschiedenen Gegenstenpeln, die sehr
oft — nicht aber ausschlieSlich — durch eincn Punkt getrennt wurden (BNC 26ff.).
26 W. Wagner, Die Dislokation der romischen Auxiliarformationen in den Provinzen Noricum,
Pannonien, Moesien und Dakien von Augustus bis Gallienus (1938) 45ff.; RE Suppl. IX (1962) 619
(Mocsy)j K. Kraft, Zur Rekrutierung der Alen und Kohorten an Rhein und Donau. Diss. Bernenses
I 3 (1951) 151. Vgl. auch RE I (1894) 1229ff. (Cichorius).
Wagner a.a.O. 47ff.; RE Suppl. IX (1962) 619; Kraft a.a.O. 151.
28 Wagner a.a. O. 45; Kraft a. a. O. 151. Vgl. auch L. Barkoczi, Acta Arch. Hung. 9, 1958, 418;
B. Lorincz, Pannonische ZiegelstempeL III. Limes-Strecke Ad Flexum — Ad Mures. Diss. Arch. Ser. 2,9
(1980) 60 ff.
29 Vgl. flavische Inschrift aus Arrabona CIL III 4373 (Kraft a.a.O. Nr. 361). Siehc auch Diplo-
mata CILXVI Nr.26,30,31 (nur die Dokumente aus dem 1.Jahrhundert sind hicr bcrucksichtigt). —
Auf der fragmentarischen carnuntinischen Inschrift des 2. Jahrhunderts kommt cine Ala I Arev(acorum)
vor {A. Betz, Osterr. Jahresh. 29, 1935, Beibl. 318 Nr. 384. Dazu Kraft a. a. O. 151).
30 D. Pintcrovic, Mursa i njeno podruqe u anticko doba (Mursa und sein Raum in der Zeit der
Antike) (1978) 37; 45.
31 Wagner a.a. O. 47 ff.; J. Klemenc, Limes u Donjoj Panoniji {Der Limes in Pannonia Inferior).
Limes u Jugoslaviji 1. Zbornik radova sa simposiuma o limesu 1960 godine (1961) 18. Die Datierung
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Peter Kos
Abb. 1. Pannonischer l imes mit Standquarticrcn der Ala II Arvacorum im 1. Jahrhundert n. Chr.
(Mursa, Teutoburgium). - M. 1:1000000.
ten aus Mursa32 und Teutoburgium33 sowie auf drei pannonischen Militardiplo-
men aus den Jahren 80, 84 und 8514 erwahnt; auf letzteren wird der Name der
Einheit immer als Ala II Arv(acorum) aufgefuhrt35.
Die Fundorte der drei Miinzmeisterasse mit dem Gegenstempel AL AR, die
sich im Museum Budapest befinden, sind leider unbekannt. Urn so wichtiger sind
die beiden in Teutoburgium gefundenen und im Archaologischen Museum Zagreb
der Verlegung der Ala II Aravacorum basiert nur auf wenigen Inschriften aus Teutoburgium mit der
Erwahnung der Ala aus der Mitre des 1. Jahrhunderts.
" CIL III 3286 = Kraft a.a.O. 151, Nr. 371 (1. Halfte des 1. Jahrhunderts).
" CIL III 3271 = Kraft a.a.O. 151, Nr. 372 (Mitte des 1. Jahrhunderts). - CIL III 3273 =
10258 = J. Brunsmid, Vjcsnik Zagreb 11, 1910/1911, 135 (349) Nr. 763; ders., a.a.O. 10, 1908/1909,
170 {224) Nr. 368. - CIL III 14039 = Kraft a.a.O. 151, Nr. 373 (Mitte des 1. Jahrhunderts) soil von
Teutoburgium nach Sopiane gebracht worden sein (Brunsmid a.a.O. 11,1910/1911, 135 [349]).
14 CIL XVI Nr. 26,30,31.
" Auf der Inschrift Brunsmid a. a. O. 10,1908/1909,170 (224) Nr. 368 aus Teutoburgium ebenso
mit der Abkurzung Ar(vacorum). Der Beiname Hispanorum kommt erst auf dem Diplom des 2.
Jahrhunderts aus Moesia Inferior vor (M. M. Roxan, Roman Military Diplomas 1954—1977. Institute
of Archaeology. Occasional Publ. 2 [1978] No. 50).
Ein pannonischer Gegenstempel der Ala II Arvacorum
51
5
Abb.2. Miinzen mit Gegenstempel der Ala II Arvacorum. Siehe Fundliste S. 54. - M. 1:1.
aufbewahrten Exemplare. Die Gegenstempel auf beiden Miinzen aus Teutobur-
gium sind mit den Gegenstempeln auf den drei Miinzen im Museum in Budapest
stempelgleich. Der Fundort Teutoburgium36 spricht fur die oben vorgeschlagene
Auflosung des Gegenstempels. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf ein
weiteres Argument, das m. E. dafiir spricht, daS die Abkiirzung AL AR der Ala II
Arvacorum und nicht der Ala I Arvacorum tragt: Aus dem Raum Arrabona — Bri-
getio, wo die Ala I Arvacorum wahrend der ersten Halfte des 1. Jahrhunderts
stationiert war, kennen wir bisher keine gegengestempelten Miinzmeisterasse,
doch sind dort Miinzmeisterpragungen allgemein aufiersr selren37; dies weist
letztlich aber auf einen spateren Beginn des Geldumlaufs in diesem Gebiet bin3S.
Nach dem Erhaltungszustand der Miinzen und Stempel der Schlagmarken
(Abb. 2) ist anzunehmen, dafi die Gegenstempelung mit der Schlagmarke AL AR
in spattiberischer bzw. spatestens in friihclaudischer Zeit erfolgte und vielleicht
ib RE VA (1934) 1171ff. (Fluss); Tabula Imperii Romani L34 Budapest {1968} HOf. -
Importiertesarchaologisches Material spricht fur rege Aktivitat schon im 1. Jahrhundert(D. Pinterovic,
Osijecki zbornik 4, 1954, 19 ff.).
37 Vgl. K. Biro-Scy, Regcszeti Fuzetek, Ser. 2, 18 (1977).
3S Biro-Sey, Currency, in: Archaeology of Roman Pannonia {1980} 340ff.
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Peter Kos
nur eine einmalige MaKnahme darsrt-llre39. Einc nahere chronologische Fixierung
der Gegenstempelung dieser Miinzmeisterasse, die fiir den tiberischen Geldumlauf
charakteristisch sind40, ist nicht moglich.
Die Gegenstempelung mit der Schlagmarke AL-AR, die sich hochstwahr-
scheinlich auf die Ala II Arvacorum bezieht, stellt eines der friihesten epigraphi-
schen Zeugnisse dieser Militareinheit dar und fand irgendwo in der Region
Mursa — Teutoburgium start, hochstwahrscheinlich im Standquartier dieser Auxi-
liartruppe (Abb. 1).
Fruhkaiserzeitliche Schlagmarken mit Nennung von Auxiliareinheiten waren
bishcr unbekannt. M. Grant erwahnte jedoch die Schlagmarke HQ, die er als (ala)
EQ(uestris) aufloste*1. Eine solche Auflosung ist allerdings wenig iiberzeugend,
da die auf dem Gegenstempel erwahnte Auxiliareinheit, im Gegensatz zu der
Absicht der Gegenstempel, zu wenig klar definiert ware. Der pannonische Gegen-
stempel AL-AR stellt somit eine erste Erwahnung einer Auxiliareinheit auf Schlag-
marken dar.
Haufiger sind Schlagmarken mit Nennung der legio III Gallica*2,
VI Macedonica43, X Fretensis44 bzw. Gemina45, XI Claudia46, XII Fulminata47
und XV Apollinaris48. Eine Zusammenstellung dieser Legions-Gegenstempel, die
jedoch noch nicht vollstandig ist49, zeigt aber, daK die Gegenstempelung in nach-
claudischer Zeit stattfand.
Schon von R. Mowat wurde die Vermutung geauSert, dafi die mit Lcgions-
Schlagmarken versehenen Miinzen als Donative der Heereskommandanten an
die Soldaten gedient haben konnten50. Ahnlich wurden die Miinzen mit den
Gegenstempeln der romischen Statthalter P. Quinctillius Varus und L. Apronius 51
19 Ahnlich wie Gegenstempelung des L. Apronius (Mackenscn, Jahrb. Num. u. Gcldgesch.
23-29, 1978-1979, 11 ff.).
40 Kraay a.a.O. (Anm. 19) 9; H. M. v. Kaenel, Schweiz. Num. Rundschau 51, 1972, 128; Chan-
trainc a.a.O. (Anm. 10) 33 Anm. 199.
41 Grant a.a.O. (Anm. 7, From Impcrium) 117.
41 W. Wruck, Die syrische Provinzialpragung von Augustus bis Traian (1931) 180, Nr. 28b;
L Kadman, Corpus Nummomm Palaestinensium II. The coins of Caesarea Maririma (1957) 79ff.;
Grant a.a.O. (Anm. 41) 117.
41 Wruck a.a.O. 180 Nr. 28 b.e.; A. M. de Cuadan, Numisma 32, 1958, 13ff.
44 BMC Palestine 1 -4 (Scbasce); 5-6 (Ascalon); 21 (Caesarea); L. Kadman, Corpus Nummo-
rum Palaestinensium II. The Coins of Caesarea Maririma (1957) 79 ff.; A. R. Bellinger, The Excava-
tions at Dura Europos. Final Report VI. The Coins (1949) Cat. No. 1604 a; D. Barag, Proc. Intern.
Num. Convention ( 1967) 117 ff.
45 MacDowall, Num. Chronicle 20, 1960, 103 ff.
46 Bellinger a.a.O. Cat. No. 1604b.
47 Wruck a.a.O. (Anm. 42) 180 Nr. 28e; R. Mowat, Revue Num. 4. Ser. 7, 1903, 126
(Caesarea).
4B E. Babelon, Les Perses Achemenides. Catalogue des monnaies grecques de la Bibliothcque
Nationalc (1893) No. 1157; Mowat a.a.O. (Aradus, Nicopolis); BMC Phoenicia xxxvii (Aradus);
E. Kadler, Num. Zeitschr. Wien 47, 1914, 225 Nr. 488 (Sebaste); Bellinger a.a.O. (Anm. 44) Cat.
No. 1604c; vgl. auch Grant a.a.O. (Anm. 42) 102 Anm. 4.
49 Die beste Obersicht liegt fiir die Gegenstempel der legio X Fretensis vor: Barag a.a.O.
(Anm. 44).
50 Mowat a.a.O. (Anm. 47) 126.
51 Vgl. Mackensen a.a.O. (Anm. 39).
Ein pannonischer Gegenstenipel der Ala II Arvacorum
53
als Donative fur die Truppen interpretiertdie diese beiden Statthalter vielleicht
aus ihrem Privatvermogen bezahlten.
Auch im Fall der Gegenstempelung AL AR liegt es nahe anzunehmen, daS die
gegenges tern pel ten Miinzen als Donativ an die Soldaten, vermutlich anlal?lich
eines Militarerfolges ihrer Einheit, aus der Staatskasse gespendet wurden. Einige
Quellenangaben iiber hochwertige Donative53 aus der Zeit des Tiberius sind
uns uberliefert. Die hohen Donative wurden anlaf?lich der Machtubernahme, der
wichtigen politischen Ereignisse oder Jahresfeste der kaiserlichen Familie
ausgezahlt54. Es ist aber durchaus moglich und auch im Fall der Gegenstempelung
AL AR hochstwahrscheinlich, dafi geringere Donative fur Militarerfolge der ein-
zelnen Einheiten ausgegeben wurden5S.
Der jahrliche Sold in der Zeit von Augustus bis Domitianus betrug 225 Denare
und teilte sich in drei Stipendia zu je 75 Denare. Von dieser Summe bekam der
Soldat jedoch nur etwa 13 Denare (=208 Asse)56. Der Lohn wurde gewil? in
Bronzemiinzen ausgezahlt, wenn nicht sogar in Assen, was demnach monatlich 52
Asse ausmachte57. Folglich diirfte auch eine Belohnung in Hohe von einigen Assen
fur Mut und Treue dem Soldaten schon von grofier Bedeutung gewesen sein.
Eine andere, allerdings hypothetische Vermutung ist nicht auszuschlielSen,
namlich dafi die Schlagmarke der gegengestempelten Miinze einen hoheren Wert
zumessen sollte. Vielleicht erschwerten aufiergewohnliche Umstande, die in tiberi-
scher Zeit in diesem Gebiet Illyricums nicht gerade selten waren, den Geldtransport
und verursachten dadurch den Geldmangel. In diesem Fall ware das Kommando
der auf Gegenstempeln erwahnten Militareinheiten gezwungen gewesen, mit dem
Gegenstempel einen hoheren Wert der gegengestempelten Miinze zu garantieren58.
51 Demnach waren nach Kraay {Jahresher. Gcs. Pro Vindonissa 1954/1955,65 f.) die gegengestem-
pelren Miinzen moglicherweise unter Augustus als Donativ anlaKlich der admissio aus der Armcc oder
nach dem Tod des Augustus als Legat ausgezahlt bzw. unter Tiberius als Donativ an die Legionen der
Provinz Germania superior nach dem Sturz des Sejanus gespendet worden,
53 Vgl. RE V (1905) 1542 ff. (Fiebiger); G. R. Watson, The Roman Soldier (1969) 108 ff. - Ober
vcrschiedenartige Donative an die Armee siehe auch R. MacMuIlen, Latomus 21, 1962, 159 ff.
54 Tiberius zahlre anlaSlich seiner Machtubernahme den Soldaten ein Donativ von 75 bis 250
Denarii aus (Tacitus, ann. I 8,3 ff.; Suetonius, Aug. 101; Dio 56.32.2). Dieselbe Summe — fur
Pratoriancr aber vcrdoppclt — wurde auch von Caius ausgezahlt (Dio 59.2.1). Nach dem Sturz des
Sejanus gab Tiberius den Pratoriancrn ein Donativ von 10 Aurei (Suetonius, Tib. 48).
55 Vgl. z. B. Gemmen und Fibeln mit den Inschriften der Militareinheiten, an dcrcn Angehorige
diese Gegenstande als Donative verliehen worden sind: LEGIO 1 (CIL HI 12035,2 — Gemme aus
Pannonien); LEGIO XII (CIL III 12035,3 - Gemme aus Pannonien); LEG XXII (CIL III 13557 -
Fibel aus Pannonien).
56 Watson a. a. O. (Anm. 53) 107; T. Frank, An Economic Survey of Ancient Rome. Vol. V.
Rome and Italy of the Empire (1940) 4ff.
57 Im Munzumlauf der julisch-claudischen Zeit sind die Asse mit 60 —80%vertreten {C. H.
V. Sutherland, The Emperor and the Coinage. Julio-Claudian Studies [1976] 83ff.). Vgl. auch die
Angaben fur Militarlagcr bci C. Rodcwald, Money in the Age of Tiberius (1976) 52 ff. Tacitus (ann.
I 16,13) erwahnt den Soldatenlohn in der Zeit des Tiberius in Assen. Fur die Zeit der Flavier vgl. A. S.
Robertson, Num. Chronicle 8, 1968, 61 ff.
38 Frau Dr. K. Biro-Sey (Budapest) und Herrn Dr. E. Mirnik (Zagreb) sci fur die Gipse und die
Publikationserlaubnis, Herrn Dr. M. Mackensen (Munchen) fur seine Diskussionsbeitrage vielmals
gedankt.
54
Peter Kos
Fundliste
Abkiirzungen: AO. Aufbewahrungsort; FO. Fundort; G. Gewicht; Gst. Gegenstem-
pel; stgl. stempelgleich; Vs. Vorderseite.
1. As Roma 16/15 y^Chr. Augustus RIC 72
Vs.: Gsr. AL AR (stgl. mit Nr. 3)
Erhahung: stark abgegriffen
FO.: unbekannt
AO.: Magyar Nemzeti Muzeum, Budapest
G. j 9,70 g (Abb. 2,1).
2. As Roma 3/2 v. Chr. Augustus RIC 186
Vs.: Gst. AL'AR (stgl. mit Nr. 4 und 5)
Erhaltung: gut erhalten
FO.: unbekannt
AO.: Magyar Nemzeti Muzeum, Budapest
G.: 9,47 gf Abb. 2,2).
3. As Roma 7 v. Chr. Augustus RIC 190
Vs.: Gst. AL-AR (stgl. mit Nr. 1}
Erhaltung: abgegriffen
FO.: Dalj =Teutoburgium
AO.: Arheoloski muzej Zagreb Inv. Nr. 11813
G.: 8,10 g (Abb. 2,3).
4, As Roma 7 v. Chr. Augustus RIC 190
Vs.: Gst. AL AR (stgl, mit Nr. 2 und 5)
Erhaltung: gut erhalten
FO.: Dalj = Teutoburgium
AO.: Arheoloski muzej Zagreb Inv. Nr. 31442
G.: 9,51 g (Abb. 2,4).
5. As Roma 16 — 2 v. Chr. Augustus RIC ?
Vs.: Gst. AL AR (stgl. mit Nr. 2 und 4)
Erhaltung: stark abgegriffen
FO.: unbekannt
AO.: Magyar Nemzeti Muzeum, Budapest
G.: 9,68 g (Abb. 2,5).