Sub principe Gallieno ... amissa Raetia? Numismatische Quellen zum Datum 259/260 n. Chr. in Raetien moreIn: Germania 73, 1995, pp. 131-144. |
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Germania 73. 1995, 1. Halbband
Sub principe Gallieno ... amissa Raetia ? Numismatische
Quellen zum Datum 259/260 n.Chr. in Raetien
Von Peter Kos
Minus indignum fuerat sub principe Gallieno quamvis triste harum provinciarum
a Romana luce discidium. Tunc enim sive incuria rerum sive quadam inclinatione
fatorum omnibus fere membris erat truncata res publica; tunc se nimium et Parthus
extulerat et Palmyrenus aequaverat; tota Aegiptus Syriaeque defecerant; amissa Rae-
tia, Noricum Pannoniaeque uastatae; Italia ipsa gentium domina plurimarum urbium
suarum excidia maerebat; non erat tantum doloris in singulis, cum paene omnibus
careretur'.
Dieser oft zitierte Abschnitt aus der Lobrede, die am 1. Marz 2972 anla(?lich der
Quinquennalien des Caesars Constantius Chlorus von einem anonymen Lobredner
in Trier gehalten wurde, wurde von den meisten der sich mit dem antiken Raetien
beschaftigenden Archaologen und Althistoriker wortwortlich verstanden, interpretiert
und kommentiert. Dieser Passus aus der Lobrede wurde sogar als Grundlage fur viele
Deutungen der historischen Ereignisse in Raetien wahrend der Regierung des Gallienus
ubernommen. Fast als ein Klischee kommen in der Literatur immer wieder Aussagen
vor3, denen zufolge die Ereignisse um 259/260 in Raetien „einen scharfen Bruch in
der gesamten kulturellen Entwicklung des Voralpenlandes"4 verursacht hatten, ,,259/
260 die Alamannen Raetien bis zum Alpenrand brandschatzten"5, „der Voralpenrand
und Schwaben der romischen Verwaltung verlorengegangen waren"6, „das Land ver-
wiistet und entvolkert wurde"7 oder „das raetische Flachland weitgehend verheert
wurde"8 bzw. der „verheerende Pliinderungszug"9 eine „Verwiistung der gesamten
Provinz" 10 zufolge hatte und „das ausgepliinderte und verodete Land ihnen (d.h. den
Alamannen) wenig mehr zu bieten hatte" ". Solche fast schon dogmatisierten SchluS-
folgcrungen wurden immer mit dem oben vorangestellten Zitat aus der Lobrede des
Jahres 297 versehen. Der kaum bekannte, 1901 erschienene umfangreiche Aufsatz von
J. Egger, der zu Paneg. VIII (V) und anderen fiir Raetien relevanten literarischen Quel-
1 Paneg. WI (V) (Constantio Caesari) 10 (hrsg. R. A. B. Mynors, Oxford 1964).
! T. D. Barnes, The New Empire of Diocletian and Constantine (Cambridge/Mass. 1982) 60 datierte
die Lobrede ins Jahr 298. - Vgl. auch C. E. V. Nixon, The occasion and dace of Panegyric VIII (V) and the
celebration of Constantine's Quinquenalia. Antichthon 14, 1980, 157-169.
3 Fiir eine der seltencn Gcgenpositionen siehe H.-P. Kuhnen (Hrsg.), Gestiirmt - geraumt - vergessen?
Der Limesfall und das Ende der Romerherrschaft in Sudwcstdeutschland (Stuttgart 1991) 435 ff.
4 H.-J. Kellner, Datierungsfragcn zum spatromischen Illcr-Donau-Limes. In: Limcs-Studien. Vortrage
3. Internal. Limes-Kongresses Rheinfelden/Basel 1957 (Basel 1959) 55.
' B. Overbcck, Geschichte des Alpenrheintals in riimischer Zcit I. Miinchner Beitr. Vor- u. Friihgesch.
20 (Munchen 1982) 198.
SH.-J. Kellner in: Die Romcr in Schwaben. Jubilaumsausst. 2000 Jahre Augsburg. Arbeitsh. Bayer.
Landesamt Denkmalpfl. 27 (Munchen 1985) 242.
7 Ders., Die Romer in Bayern- (Munchen 1972) 150.
" B. Overbeck, Raetien zur Prinzipatszeit. In: ANRW II 5,2 (Berlin, New York 1976) 680.
"' E. Meyer in: Handbucfa der Schweizer Geschichte 1 (Zurich 1980) 80.
10 H. Zeili, Die romischen Miinzschatze aus dem bayerischen Anteil von Raetien. Bayer. Vorgeschbl.
10, 1931/32, 46.
" H.-J. Kellner, Die romische Ansiedlung bei Pocking (Niederbayern) und ihr Ende. Ebd. 25, 1960,
144.
132
Peter Kos
len vorsichtig und zuriickhaltend kommentierend schrieb „...Also ist um diese Zeit
doch auch ganz Ratien in Feindeshand gefallen ? Das war bisher so ziemlich die allge-
meine Ansicht..."12, hat in den nachfolgenden neunzig Jahren offensichtlich kaum ein
Echo gefunden.
Die zitierten AuEerungen der Archaologen und Althistoriker wurden durch 14
Munzschatzfunde, die gemafi ihrer SchlulSmunzen einen Schatzfundhorizont 259/260
im gesamten Raetien bilden bzw. widerspiegeln sollten, bestarkt und begriindet. Der
Schatzfundhorizont wurde zuerst von H. Zeil? erwahnt13, spater von F. Wagner kar-
tiert14 und nachher immer wieder von verschiedenen Verfassern iibernommen15. Nicht
12 J. Egger, Barbareneinfalle in die Provinz Ratien und deren Besetzung durch Barbaren. Archiv Osterr.
Gesch. 90, 1901, 145.
13 Zeil? (Anm. 10) 46.
14 F. Wagner, Bayer. Vorgeschbl. 18/19, 1951/52, 29 Abb. 2.
15 R. Roeren, Zur Archaologie und Geschichte Siidwestdeutschlands im 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
Jahrb. RGZM 7, 1960, Abb. 1; Kellner (Anm. 7) 149; ders. (Anm. 11) Taf. B2; Ph. Filtzinger in: Ph.
Numismarische Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
133
selten kommen Behauptungen vor16, dafi „die Hortfunde dieser Zeit im gcsamten rae-
tischen Gebiet verteilt sind". Die Evidenz wurde immer unkritischer und ohne irgend-
welche Bedenken als das absolut Gegebene betrachtet17. Aufgrund der Miinzschatz-
funde und der Interpretation der erwahnten Stelle in der Lobrede wurden spater auch
viele Brandspuren in raetischen Siedlungen von den Ausgrabern mit den Ereignissen
von 259/260 in Verbindung gebracht: So soil Kempten damals fast vollig zerstort'"
und Augsburg19 sowie Regensburg20 teilweise verwiistet oder zumindest schwer
betroffen worden sein. Die literarischen und die archaologischen Quellen schienen sich
auf diese Weise in einem iiberzeugenden Gleichklang zu vereinigen. Wenige Fachleute
aufierten Skepsis am Aussagewert der erwahnten literarischen Quelle"' oder an der
Interpretation der numismatischen und archaologischen Befunde und Funde22. Diese
Ereignisse wurden auch aufgrund des Munzschatzfundhorizonts als cine Folge des
Plunderungszugs der Alamannen durch Bayem und die Schweiz nach Italien in den
Jahren 259/260 interpretiert; die Zerstorung von Kempten und die Vcrwiistung der
Provinz wurden als gleichzeitig mit der literarisch iiberlieferten Vernichtung von Aven-
ticum angesehen23.
Es liegt nun doch die Frage nahe, in welchem AusmaS eine solche Deutung der
romischen Geschichte der Mitte des 3. Jahrhunderts in der Provinz Raetien und die
Interpretation der archaologischen Befunde aufgrund der verfiigbaren Quellen tatsach-
lich gestutzt werden.
Filtzinger/D. Planck/B. Cammcrer (Hrsg.), Die Romer in Baden-Wiirttemberg' (Stuttgarc, Aalen 1986) 95
Abb. 24. - Erwahnt auch von L. Schmidt, Die Westgermanrn (Miinr.hen 1970) 233 Anm. 7. - Teilweise
kartiert von R. Fellmann in: W. Drack/R. Fellmann, Die Romer in der Schweiz (Stuttgart, Jona 1988) 77
Abb. 39. Diese Karte wurde teilweise von Overbeck (Anm. 8) 679 Abb. 6 iibernommen und modifizicrt.
Overbeck halt namlich die beiden Schatzfunde aus Regensburg und von Donauworth fiir Funde mit
Schlufimiinzen aus der Zcit der Alleinregierung des Gallienus. - Es muC jedoch die zuriickhaltende Stellung
zu der Evidenz der Miinzschatzfunde von H. Schonbcrgcr, Journal Rom. Stud. 59, 1969, 177 erwahnt
werden.
16 Overbeck (Anm. 5) 198.
17 vgl. z.B. L. Berger, Die Zerstorungen der Jahre 259/60 n.Chr. im schweizerischen Mittelland. Jahrb.
SGU 59, 1976, 203, der trotz seiner kritischen Stellung gegeniiber dem Forschungsstand in der Schweiz die
grofse Zahl datiertcr Miinzschatze in bayerischem Alpenvorland als ein Argument erwahnt.
18 F. Wagner, Die Romer in Bayern4 (Munchen 1928) 28; Schmidt (Anm. 15); H. von Petrikovits in:
Rheinische Geschichte 1 (Dusseldorf 1978) 172; Filtzingcr (Anm. 15) 94; E. Demougeot, La formation de
I'F.urope et les invasions barbarcs des origines germaniques a I'avenement de Diocletien (Paris 1969) 496;
Overbeck (Anm. 8) 680; St. Johnson, Late Roman Fortifications (London 1983) 72; G. Weber in: V.
Dotterweich (Hrsg.), Geschichte der Stadt Kempten (Kempten 1989) 56; W. Schleiermacher, Cambodu-
num - Kempten. Eine Romcrstadt im Allgau (Bonn 1972) 132.
"Roeren (Anm. 15) 220; Schmidt (Anm. 15) 233; v. Petrikovits (Anm. 18) 172; Kellncr (Anm. 7)
148; K. Parlasca, Romischc Wandmalereien in Augsburg. Materialh. Bayer. Vorgesch. 7 (Kallmiinz 1956)
22 Anm. 50. - Siehe auch L. Ohlcnroth, Bayer. Vorgeschbl. 18/19, 1952, 278; H.-J. Kellner, Augsburg,
Provinzhauptstadt Raetiens. In: ANRW II 5,2 (Berlin, New York 1976) 705; Overbeck (Anm. 8) 680.
2(1 Vorsichtig vermutet von H.-J. Kellner, Gcrmania 31, 1953, 219; K. Dietz/U. Osterhaus u.a., Regens-
burg zur Romerzeit (Regensburg 1979) 119.
2,Egger (Anm. 12) 145 ff.
22 Overbeck (Anm. 5) 198 hat z.B. darauf aufmerksam gemacht, daS sich in den Siedlungen keine
Ziisur abzeichnet. Ernsthafte Bedenken hat aber L. Okamura, Alamannia devicta (Ann Arbor 1984) 248 ff.
geaufert.
21 Schmidt (Anm. 15) 248; A. Alfbldi, Studien zur Geschichte der Weltkrise des 3. Jahrhunderts nach
Chrisms (Darmstadt 1967) 331; Overbeck (Anm. 8) 680.
134
Peter Kos
Zu fragen ist auch, ob eine Lobrede als objektive historische Quelle zu betrachten
ist bzw. ob man eine solche literarische Quelle wortwortlich iibernehmen kann. Das
einzige Ziel der Lobrede, die als wichtiges Propagandamittel des Adressats anzusehen
ist, war vor allem das Bemiihen, ein moglichst hohes Lob der Taten des gegenwartigen
Herrschers, an den die Lobrede gerichret war, der Offentlichkeit vorzulegen. Um die
Leistungen des Herrschers moglichst stark hervorzuheben und zu bekraftigen, wurden
seine Vorganger immer sehr negativ herausgestellt24. Die historischen Ereignisse, die
unter den Vorgangern tatsachlich stattgefunden hatten, wurden deswegen gezielt iiber-
treibend in einen negativen Zusammenhang gesetzt und in negativem Licht gezeigt.
Nicht selten wurden vom Lobredner die vergangenen Ereignisse einer langeren Zeit-
spanne, obwohl in Verbindung mit dem Namen eines bestimmten Kaisers angefuhrt,
zusammengefaSt vorgelegt25. Demzufolge ist der historische Aussagewert der Teile der
Lobreden, die die Vergangenheit beriihren, begrenzt und nur mit Vorbehalt als histori-
sche Quelle zu betrachten. In diesen Texten sind die Reste der tatsachlichen histori-
schen Ereignisse zu finden, die Erwahnung vom Lobredner ist aber nicht wortwortlich
zu iibernehmen. Auch fiir den oben angefiihrten Passus der Lobrede an Constantius I.
miissen solche Beobachtungen geltend gemacht werden. Dieser Abschnitt der Lobrede
wurde dazu auch von der Tendenz, die Zeit des Gallienus aufierst negativ herauszustel-
len, stark gepragt und beeinfluSt, obwohl eine solche Legendenbildung vor allem im
4. Jahrhundert entstanden sein diirfte". Paneg. VIII (V) enthalt die rudimentaren Ele-
mente der vergangenen historischen Ereignisse im Imperium, von denen auch die ande-
ren literarischen Quellen berichten; die Folgen fiir das sudlich der Donau und nordlich
der Zentralalpen gelegene Raetien wurden aber mit grower Ubertreibung vorgestellt,
womit das Schweigen bei alien anderen historischen Quellen, die sich mit dieser Zeit
beschaftigen, iibereinstimmt27. Da aber die Aufgabe des transdanubischen Teils der
Provinz Raetien zu dieser Zeit unzweifelhaft ist, kann sich der erwahnte Passus
„...amissa Raetia..." nur auf die Aufgabe dieses Provinzteils beziehen28.
Ferner ist zu uberpriifen, ob die archaologischen Quellen diese Berichte iiber das
Schicksal der Provinz Raetien nach der Mitte des 3. Jahrhunderts tatsachlich stiitzen
konnen.
Die Analyse des raetischen Geldumlaufs des 3. Jahrhunderts laJSt namlich starke
Zweifel an einer solchen Deutung der Lobrede und einer entsprechenden Interpretation
der archaologischen Befunde zu. Denn die Miinzreihen in vielen raetischen Siedlungen
weisen einen ununterbrochenen GeldzufluE wahrend der ganzen zweiten Halfte des 3.
Jahrhunderts auf. Daher ist eine detaillierte Analyse der Miinzschatzfunde unvermeid-
lich.
24 vgl. U. Asche, Roms Weltherrschaftsidee und Aul?enpolitik in der Spatantikc im Spiegel der Panegy-
rici Latini (Bonn 1983) 26.
!i vgl. auch W. Portmann, Geschichte in der spatantiken Panegyrik (Frankfurt 1988) 26-28.
26 A. Lippold, Der Panegyricus von 297 und die Vita Claudii der HA. Chiron 11, 1981, 352 ff.
27 Vor rhetorischer Ubertreibung warnte doch schon H. Schonberger, Ber. RGK 66, 1985, 423; siehe
auch F. Unmh, Fundber. Baden-Wiirttemberg 18, 1993, 246 ff.
28 A. Alfoldi (Anm. 23) 331; E. Norden, Alt Germanien2 (Darmstadt 1962) 27. - Siehe auch H. U.
Nuber in: H. U. Nuber/K. Schmid/H. Steuer (Hrsg.), Archaologie und Geschichte des ersten Jahrtausends
in Sudwestdeutschland (Sigmaringen 1990) 56ff.; M. Mackensen, Arh. Vestnik 45, 1994 (im Druck).
Numismatische Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
135
Prageperiode Anzanl
211-217 1
222 - 235 1
238 - 244 3
244 - 249 4
249 - 251 2
251 - 253 8
253 - 259 14
I 33
Tab. 1.
Emission Rom Vim Col. Agr.
253 1
253 - 254 1 1
254 - 256 3
258 2
256 2
254 - 257 3
I 4 7 2
Tab. 2.
Tab. 1. Klugham. Erhaltener Teil des Schatzfundes.
Tab. 2. Klugham. Verteilung der 13 Miinzen aus der Zeit der Gesamthcrrschaft von Valerianus und Gallie-
nus nach Miinzsratten und Emissioncn.
Als Kronzeugen fur einen verwiistenden Plunderungszug 259/260 wurden fol-
gende raetische Miinzschatzfundc herangezogen:
Klugham, Gde. Fraham (FMRD I 1 Nr. 1178). Eine unbekannte Anzahl von
Miinzen wurde 1852 entdeckt, wovon heute nur noch eine Liste von 33 Miinzen zur
Verfugung steht (Tab. 1-2)2V. Die beiden Schluftmunzen wurden fur Valerianus II. in
der vierten Emission der Munzstatte Colonia Agrippinensis/Kbln (258) gepragt"1.
Mettenbach (FMRD I 2 Nr. 2075). Am Acker des Egid Kreuzpaintner wurde
vor 1846 in einem TongefaS ein kleinerer Schatzfund entdeckt. Die 28 dokumentierba-
ren Miinzen stellen wahrscheinlich den grofiten Teil des Schatzfundes dar (Tab. 3).
Von sechs Miinzen des Valerianus (alle aus der Miinzstatte Rom) wurden drei Miinzen
in der zweiten (253-254) und je eine Miinze in der vierten (254-257), sechsten
(256-257) und der sechsten bzw. siebten (256-258) Emission gepragt, wobei letztere
auch als SchluSmunze des erhaltenen Teiles des Schatzfundes zu gelten hat.
Pfakofen (FMRD I 3 Nr. 3040). Unter unbekannten Fundumstanden wurde eine
unbekannte Anzahl von Silbermiinzen entdeckt. Heute sind noch 35 Miinzen doku-
mentierbar (Tab. 4). Es ist vollig unsicher, ob die drei Antoniniane der Salonina noch
zum Schatzfund gehoren; einer da von wurde wahrend der Alleinregierung des Gallie-
nus in der vierten Emission der Munzstatte Mediolanum (262-264) gepragt" und
konnte daher unter Vorbehalt als Schlu(?miinze betrachtet werden.
Regensburg, Burgweintingerstra(?e (FMRD I 3 Nr. 3081). Etwa 1832 wurde
in eine unbekannte Anzahl von Miinzen, die sich in einem Bronzegefai? befanden,
19 Emissionszuweisung nach J. Fit/, Die Fundmiinzen der romischen Zeit in Ungarn (Bonn, Budapest
1990) 401 ff.
30 FMRD I 1 Nr. 1178, 32. 33a.
31 Ebd. I 3 Nr. 3040, 35.
136
rragepenoue Mnzam
238 - 244 7
244 - 249 11
249 - 251 1
251 - 253 2
253 - 259 7
I 28
Peter Kos
Tab. 3. Mettenbach.
P ra n p np ri ndp An 7a hi r\ 1 IZ_CU 11
138-161 1
180-193 1
193-211 8
211 -218 3
218 - 222 11
222 - 235 8
253 - 260 2
260 - 268 1
I 35
Tab. 4. Pfakofen.
Prageperiode Anzahl
138-161 1
218 - 222 1
238 - 244 1
244 - 249 1
249 - 251 2
253 - 260 53
260 - 268 59
E 118
Tab. 5. Regensburg, Burgweitingerstraf?e.
ausgegraben; heute sind noch 118 Miinzen dokumentierbar32 (Tab. 5—6). Die SchluS-
miinze gehort zur letzten Emission der Munzstatte Rom (267/268)33.
Regensburg, Zornsche Maschinenfabrik (FMRD I 3 Nr. 3082). Im Oktober
1864 wurde eine Gruppe von mehr als 300 Miinzen ausgeackert. Heute sind noch
56 Miinzen, also weniger als 20 % des ursprunglichen Fundes, dokumentierbar. Die
Zugehorigkeit der Miinze des Numerianus zu dieser Gruppe gilt als nicht gesichert
12 Datierung nach R. Gobi, Num. Zeitschr. Wien 75, 1953, 5ff.
" FMRD I 3 Nr. 3082, 45.
Numismatische Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
137
Emission Rom Med Sir (?) Unb. I(Anzahl) (%)
261 5 5 8,6
262 - 263 20 20 34,5
262 - 264 7 7 12,1
263 - 264 2 2 3,4
265 1 1 1,7
1 i i 1 7
266 - 267 20 20 34,5
267 - 268 1 1 1,7
260 - 268 1 1 1,7
I 58
Tab. 6. Regensburg, BurgweitingerstraKe. Verteilung der 58 Miinzen aus der Zeit der Alleinregierung des
Gallienus nach Emissionen und Miinzstatten.
Prageperiode Anzahl
196-253 8
253 - 260 32
260 - 268 15
283 - 284 1 (?)
I 56
Emission Rom Med Sis Unb.
262 - 263 262 - 264 264 - 266 260 - 268 3 7 1 4
Tab. 8.
Tab. 7.
Tab. 7. Regensburg, Zornsche Maschinenfabrik.
Tab. 8. Regensburg, Zornsche Maschinenfabrik. Verteilung der Miinzen aus der Zeit der Alleinregierung
des Gallienus nach Miinzstatten und Emissionen.
(Tab. 7—8). Die SchluSmiinze wurde in der Miinzstatte Stscia in der Emission 264-266
gepragt.
Irnsing (FMRD I 2 Nr. 2045). Sieben Antoniniane aus der Zeit der Alleinregie-
rung des Gallienus von einer unbekannten Fundstelle in Irnsing wurden als Schatzfund
interpretiert, allerdings ist diese Gruppe der in Rom gepragten Miinzen nur mit Vorbe-
halt als ein solcher zu betrachten (Tab. 9). Die Schlufimiinze wurde 267/268 in Rom
gepragt.
Donauworth (FMRD I 7 Nr. 7071). 1949 wurden 11 Miinzen in der Schwem-
merstraSe gefunden. Neun Miinzen gehoren der Zeit der Gesamtherrschaft von Vale-
rianus und Gallienus an, bei den beiden ubrigen handelt es sich um zwei Antoniniane
138
Peter Kos
Emission Anzahl
265 2
266 - 267 3
267 - 268 2
Tab. 9. Irnsing.
I 1 QUCUCI 1UUC An7^hl
211 -217 1
238 - 244 16
244 - 249 12
249 - 251 2
251 - 253 5
253 - 260 6
260 - 268 1
I 43
Tab. 10. Olgishofen.
des Postumus. Der eine Antoninian (Elmer 125; 132; 188: VICTORIA AVG) gehorte
der zweiten/dritten Emission (260)34, der zweite (Elmer 592: REST ORBIS) der 25.
Emission (268) an.
Olgishofen (FMRD I 7 Nr. 7160). 1797 wurde in einem zertriimmerten Tonge-
faG eine unbekannte Anzahl romischer Silbermunzen gefunden. Heute sind noch 43
Munzen dokumentierbar (Tab. 10-11). Unter den Munzen aus der Zeit der Gesamt-
herrschaft von Valerianus und Gallienus wurde noch eine weitere Miinze des Gallienus
aufgelistet35. Der Riickseitentyp MARTI PACIFERO dieses Antoninians kommt aber
nur in der 15. Emission der Miinzstatte Rom (265) vor, weshalb er als Schlufimiinze
des erhaltenen Teiles des Fundes betrachtet werden mufi.
Steingaden (FMRD I 7 Nr. 7196). 1902 wurden im Haus Nr. 45 etwa 2400
Silbermunzen geborgen. Dem Fund konnen heute nur noch 21 Munzen (weniger als
1 % des urspriinglichen Fundes) zugeschrieben werden (Denare und Antoniniane von
Antoninus Pius bis Volusianus). In FMRD I 7 S. 310 f. wurde noch eine Liste von 363
Munzen vorgestellt, die moglicherweise aus diesem Schatzfund stammen. Nach dieser
Liste sollten dem Fund auch zwei Antoniniane des Valerianus I. angehoren. Fur den
Fund stehen zu wenige und zu unzuverlassige Angaben zur Verfugung, um irgendwel-
che SchluGfolgerungen zuzulassen.
Kempten, Burgstall (FMRD I 7 Nr. 7189). 1852 wurde in einem BronzegefaS
ein kleiner Miinzschatz geborgen, der spater mit einem ahnlichen Schatzfund aus dem
Oschlesee vermischt wurde. Die Anzahl der Munzen soli etwa 800 betragen haben.
Fur 33 Munzen (4 % des Gesamtfundes), darunter je eine Miinze des Gallienus und
der Salonina, laGt sich die Zugehdrigkeit zu einzelnen Prageherren ermitteln. Es ist
vollig unmoglich den Fund zu analysieren bzw. zu interpretieren.
Oschlesee (FMRD I 7 Nr. 7189). Siehe Kempten, Burgstall.
34 G. Elmer, Die Miinzpragung der gallischen Kaiser in Koln, Trier und Mailand. Bonner Jahrb. 146,
1941, 1-106; siehe auch K. Kraft/M. Zelzer, Bayer. Vorgeschbl. 18/19, 1952, 281.
" FMRD I 7 Nr. 7160, 42.
Numismatische Quellen zum Datum 2S9/260 in Raetien
139
Emission Rom Vim Col. Agr. Unb.
254 256 256 256 - 259 258 ? 1 1 1 2 1
Tab. 11. Olgishofen. Verceilung der Miinzen aus der Zcit
der Gesamtherrschaft des Valcrianus und des Gallienus nach
Miinzstatten und F.missionen.
Prageperiode Anzahl
138 -161 10
161 - 180 1
180 - 192 2
193-217 90
217-222 36
222 - 235 47
235 - 238 11
238 - 244 33
244 - 249 23
«
251 - 253 7
253 - 260 3
260 - 269 5
I 274
Tab. 12. Kifilegg, Unterhorgen.
Fiissen, Bad Faulenbach (FMRD I 7 Nr. 7112). 1684 wurden etwa 2000 romi-
sche Silbermunzen ausgegraben. Der Fund ist verschollen und nur drei Miinzen kann
man dem Trebonianus Gallus zuschreiben.
Kif?legg, Unterhorgen (FMRD II 3 Nr. 3338). 1837 wurden etwa 600 Silbermun-
zen entdeckt. Nur 274 Miinzen (ecwa 46% des Gesamtfundes) konnten noch aufge-
nommen werden (Tab. 12). Ein Antoninian des Gallienus wurde in der 13. Emission
der Miinzstatte Rom (262/263) gepragt36, die Miinze des gallischen Herrschers
Marius wurde nicht naher beschrieben, seine Pragung ist aber in das Jahr 269 zu
setzen37.
Schlier, Oberankenreuthe (FMRD II 3 Nr. 3153). Von 46 Silbermunzen wurden
nur 20 Miinzen (43 % des urspriinglichen Fundes) summarisch beschrieben, angeblich
sollte auch ein Denar des Gallienus dazugehoren. Die Zusammensetzung des Fundes
ist unsicher und lafit keine SchluEfolgerungen zu.
Da kein Schatzfund vollstandig (oder zumindest zu einem groften Teil) erhalten ist
bzw. dokumentiert wurde, zudem die Fundumstande fast in alien Fallen unklar sind
" Ebd. II 3 Nr. 3338, 270.
" Ebd. 274.
140
Peter Kos
und die Zugehorigkeit einzelner Miinzen zu mehreren dieser Schatzfunde unsicher ist,
bieten die SchluKmiinzen (in der Ubersicht in Tab. 13) blofi einen terminus post quern
fur die Vergrabung der einzelnen Schatzfunde an. Nachdrucklich muft betont werden,
dafi das Ende der Hortung der Miinzen nicht unbedingt mit der Vergrabung des Hortes
gleichzeitig sein muS. Ein Beispiel par excellence fur diese Behauptung stellt der gut
ausgegrabene und ausgezeichnet ausgewertete Fund von Neftenbach (Kanton Zurich)
dar38, dessen SchluEmunze auf eine Vergrabung im Jahre 265 hinweisen wiirde; die
Fundumstande zeigen aber, da)? der Gutshof, in welchem der Miinzschatzfund ausge-
graben wurde, erst 20 Jahre sparer niederbrannte.
Ferner sei nochmals darauf hingewiesen, daS bei der Kommentierung und Datie-
rung der Miinzschatzfunde allergroftte Vorsicht angebracht ist, vor allem weil die The-
saurierung der Miinzen nicht unbedingt von gewalttatigen Ereignissen und feindlichen
Einfallen verursacht worden sein muiS. Viele andere Faktoren miissen bei der Interpre-
tation der Miinzschatzfunde mitberiicksichtigt werden", u. a. auch die Tatsache, dafi
die Thesaurierung nicht selten lediglich von rein okonomischen Verhaltnissen verur-
sacht wurde40.
Schon H.-M. von Kaenel warnte, daft „die Altfunde ... ohne Dokumentation der
Fundumstande, nicht vollstandig iiberliefert, nicht quellenkritisch aufgearbeitet, die
vorhandenen Miinzen nicht nach den heute gebrauchlichen Typenkatalogen bestimmt,
keinesfalls als Zeugnisse fiir besondere kriegerische Ereignisse in der Zeit um 260
dienen konnen" 41. Gerade dies ist aber der Fall bei alien raetischen Miinzschatzfunden,
die in der Vergangenheit mit den Ereignissen der Jahre 259/260 in Zusammenhang
gebracht wurden.
Aus meiner hier vorgelegten Analyse der fraglichen Miinzschatzfunde geht hervor,
daf? ein Schatzfundhorizont der Jahre 259/260 in Raetien offensichtlich nicht existiert.
Von 14 Miinzschatzfunden, die als Zeugnisse fiir den Plunderungszug der Alamannen
wiederholt angefuhrt wurden, weisen nur die Schatzfunde von Klugham und Metten-
bach im Jahr 258 gepragte Schlufimiinzen auf. Da die beiden Munzgruppen einen
unbekannten Anteil der ursprunglichen Funde darstellen, ist das Jahr 258 nicht mit
Sicherheit als Datum des Thesaurierungsschlusses dieser beiden Schatzfunde zu
betrachten.
Die Vermutung, daft mehrere Siedlungen und die Bevolkerung der Provinz Raetien
um 259/260 schwerwiegende Schaden als Folge der germanischen Einfalle erlitt, kann
aufgrund der ubrigen numismatischen Befunde (Fundmunzenreihen) nur wenig Unter-
stiitzung finden. Die Annahme einer Zerstorung der Siedlungen Kempten, Regensburg
und Augsburg in dieser Zeit aufgrund archaologischer Befunde mufi m. E. nochmals
kritisch betrachtet werden42. Das archaologische Material - mit Ausnahme der numis-
Js H.-M. v. Kacnel/H. Brem u.a., Der Munzhort aus dem Gutshof in Neftenbach. Antoniniar.e und
Denare von Septimius Severus bis Postumus (Zurich 1993).
39 Siehe R. Reece, Coinage and Currency in the Third Century. In: A. King/M. Henig (Hrsg.), The
Roman West in the Third Century. BAR Internat Ser. 109 (Oxford 1981) 85.
40 P. M. Bruun, Die spatromische Munze als Gegenstand der Thesaurierung. Stud. Fundmiinzen Antike
4 (Berlin 1987).
""v. Kaenel (Anm. 38) 129.
42 vgl. z. B. kritische Betrachtung der gleichzeitigen Zerstorung der Mittelschweiz durch Alamannen
von Berger (Anm. 17) 203-205; siehe dazu noch kritische Bemerkungen von v. Kaenel (Anm. 38) 127ff.
Numismatische Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
141
matischen Funde - kann namlich keine genaueren absolutchronologischen Anhalts-
punkte einzelner Schichten in dieser Zeit bieten. Es stehen weiterhin nur die Fundmiin-
zen zur Verfiigung — und zwar unter der Bedingung, daiS ihre Fundumstande wahrend
der Ausgrabungen gut beobachtet und die zuverlassig bestimmten Miinzen bei der
Auswertung der Ausgrabungen vorsichtig interpretiert wurden. Fur Augsburg z. B.
stimmt der Anhaltspunkt fur die Datierung der Zerstorung eines Gebaudes in dieser
Zeit nicht: Der Antoninian des Gallienus4', der immer wieder als Zeugnis dafur zitiert
wird44, wurde namlich erst in der 17. Emission der Miinzstatte Rom 267/268 gepragt
und bietet deswegen nur einen terminus post quern fur die eventuelle Zerstorung in
den nachfolgenden Jahren.
Die Analyse der Fundmunzen von Chur45, Kempten4*, Augsburg47, Regensburg48
und dem vicus von Eining49 zeigt einen ununterbrochenen Geldzufluls' in den Umlauf,
womit auch die Kontinuitat der genannten Siedlungen dokumentiert wird50. Die starke
Representation der Miinzen der friiheren Emissionen aus der Zeit der Alleinregierung
des Gallienus in Augsburg schlieSt eine Unterbrechung des Geldzuflusses zudem aus51.
Diese friiheren Emissionen sind namlich in den anderen Reichsteilen immer in denjeni-
gen Siedlungen, die keine Siedlungszasur nach der Mitte des 3. Jahrhunderts aufweisen,
stark reprasentiertZusatzliche Argumente gegen die Zerstorung der canabae legio-
nis von Castra Regina/Regensburg bieten u.a. schon die beiden Miinzschatzfunde
(Burgweintingerstrafie und Zornsche Maschinenfabrik), die einen ununterbrochenen
ZufluS der Miinzen aller Emissionen aus der Gesamtherrschaft von Valerianus und
Gallienus sowie der Alleinregierung des Gallienus aufweisen.
Alle verfiigbaren Quellen sprechen gegen die bisherige Annahme einer Verwiistung
der Provinz Raetien durch Alamannen in den Jahren 259/260. Kleinere Barbarenein-
falle nach oder durch Raetien - ohne schwerwiegende Folgen fur einzelne Siedlungen
oder fur die Provinz — sind jedoch nicht auszuschliefsen.
An dieser Stelle soil noch die Uberzeugung betont werden, dafs ein Einbruch der
Barbaren nach Raetien keinesfalls mit dem Einfall der Alamannen durch die Nord-
westschweiz nach Italien zu verbinden ist53. Die beiden Einfalle wurden namlich fast
immer miteinander in Zusammenhang gebracht54. E. sollte an dieser Stelle doch
Orosius wortwortlich genommen werden, der berichtet „ ... Germani Alpibus, Raetia
totaque Italia penetrata, Ravennam usque perveniunt; Alamanni, Gallias pervagantes.
4JRIC 180 K.
4" z.B. Parlasca (Anm. 19) 22 Anm. 50.
43 B. Overbeck, Das Alpenrheintal in romischer Zeit II. Die Fundmunzen. Miinchncr Bcitr. Vor- u.
Fruhgesch. 21 (Miinchen 1973) 181. - Siehe auch E. Ruoff in: A. Hochuli-Cysel/A. Siegfried-Weiss/E.
Ruoff/V. Schaltenbrand Obrecht, Chur in romischer Zeit II (Basel 1991) 196-218.
46 FMRD 1 7 Nr. 7182.
47 Ebd. Nr. 7001.
48 Ebd. I 3 Nr. 3062-3064; 3067; 3068.
49 Ebd. I 2 Nr. 2030-2031 und Nachtrage auf S. 216.
50 vgl. P. Kos, Das spatromische Kastell Vemania bei Isny II. Die Fundmunzen. Miinchner Beitr. Vor-
u. Fruhgesch. (in Vorber.) - Siehe auch Ders., Third Century Coin Circulation in Raetia, Noricum, Panno-
nia, and Dacia. In: T. Mackens (Hrsg.), Life and Survival of Ancient Coins. Symposium Ravello 1991 (im
Druck) Fig. 3.
" Kos (Anm. 50, Isny II).
"Ders. (Anm. 50, Third Century) Figs. 12; 15.
"siehe z.B. Schmidt (Anm. 15) 234 Anm. 1.
54 Dagegen aber Eggcr (Anm. 12) 145.
142
Peter Kos
Munzschatzfund SchluBmunze
Mettenbach 256 - 258
Klugham 258
Kisslegg 262/ 263 (moglicherweise 269)
Pfakofen 262 - 264 (?)
Olgishofen 265
Regensburg-Zornsche Maschinenfabrik 264 - 266
Regensburg-BurgweintingerstralBe 267/268
Irnsing 267/268
Donauworth 268
Steingaden Auswertung unmoglich
Kempten-Burgstall Auswertung unmoglich
oschlesee Auswertung unmoglich
Fussen Auswertung unmoglich
Schlier Auswertung unmoglich
Tab. 13. Ubersicht iiber die SchluKmiinzen cler analysierten Schaczfunde.
etiam in \taliam transeunt..."5S. Dai? mit dem Ausdruck Germani hochstwahrschein-
lich Juthungi gemeint waren, beweist erst die 1992 gefundene Inschrift aus Augsburg
aus dem Jahr 260, die vom Sieg der Rdmer iiber die Juthungen bei ihrer Ruckkehr aus
Italien wohl in der Nahe von Augsburg berichtet5S.
Sieben der in Tabelle 13 erwahnten Miinzschatzfunde weisen Schlufimunzen aus
der Zeit der Alleinregierung des Gallienus auf. Es besteht aus diesem Grund die
Gefahr, schon wieder einen Scharzfundhorizont, diesmal aus der Zeit gegen Ende der
Alleinregierung des Gallienus bzw. aus der Zeit der Regierung seines Nachfolgers
Claudius II., zu konstruieren. Vor allem ware es aber methodisch falsch, die Schatz-
funde unkritisch mit den historischen Ereignissen zur Zeit des Aufstands des Aureolus
(2 6 8)57 bzw. mit dem Alamanneneinfall 270/271 in Verbindung zu bringen58.
Aus der Analyse geht hervor, daS kaum ein zuverlassiger Schatzfund verfiigbar ist
bzw. dafi kleinere Miinzgruppen (Irnsing: 7 Antoniniane; Donauworth: 11 Miinzen)
wegen der unklaren Fundumstande nicht unbedingt als typische Schatzfunde zu
betrachten sind. Auch die Struktur des Schatzfundes Pfakofen ist vollig untypisch, weil
es kaum wahrscheinlich ist, dal? ungefahr dreifiig Jahre nach dem Thesaurierungs-
schlui? der Hauptmasse der Miinzen noch drei Miinzen dazugegeben worden waren.
" Ores. His:. VII 22. 5 (hrsg. M.-P. Arnaud-Undet, Paris 1991).
" L. Bakker, Germania 71, 1993, 369-386.
" Alfoldi (Anm. 23) 3.
'"Zum Unruhehorizont von 270/271 vgl. Overbeck (Anm. 5) 198 if.
Nuniismatischc Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
143
In diesem Sinne ist der Fund von Pfakofen ein absolut unsicheres Zeugnis fur irgend-
welche historische Ereignisse.
Es scheint, dafi nur die beiden Miinzschatzfunde aus Regcnsburg sowie der Fund
von KifSlegg die Struktur des urspriinglichen Fundes tatsachlich widerspiegeln konnten.
Die Analyse der Fundmiinzen und Schatzfunde zeigt, dafi die drei starksten Emissionen
des Gallienus 265, 266/267 und 267/268 gepragt wurdcn; die Miinzen dieser Emissio-
nen sind auch im Umlauf immer ungefahr gleich stark reprasentiert. Im Miinzfund
Regensburg, Burgweintingerstrafse, ist aber die Emission 267/268 nur noch mit 1,7%
vertreten, was auf einen ThesaurierungsschluS in den letzten zwei Jahren der 60er
Jahre bzw. zu Beginn der 70er Jahre des 3. Jahrhunderts hindeuten wiirde. Eine Ver-
bindung der Vergrabung dieses Miinzschatzfundes mit irgendwelchen Ereignissen um
270 scheint doch aufserst hypothetisch zu sein und wird an dieser Stelle nicht postuliert
Man konnte jedoch diese drei Miinzschatzfunde mit den Zerstorungsschichten an ver-
schiedenen Stellen von Regensburg in Zusammenhang bringen: In der ostlichen via
principalis (heute Speichergasse) und im zugehorigen porticus-Bereich wurde Brand-
schutt mit einem Antoninian des Aurelianus ausgegraben bzw. wurden in der Brand-
schicht drei durch Brand beschadigte Antoniniane des Gallienus bzw. des Aurelianus
entdeckt60. In der via praeturia (Frauenbergl) wurde eine vom Feuer beschadigte
Miinze des Aurelianus gefundenM. Die partiellen Zerstorungen an den Mannschafts-
baracken (Niedermiinster) wurden mit der Miinzreihe, die mit einem Antoninian des
Aurelianus endet, datiert62. Leider sind nahere Angaben, die eine Emissionszuweisung
erlauben wurden, uber die in den Zerstorungsschichten gefundenen Munzen nicht
publiziert. Eine Ausnahme sind die Munzen vom Frauenbergl, wo der Antoninian des
Aurelianus der 7. Emission der Munzstatte Cyzicus angehorte und im Sommer 272
gepragt wurde01, womit auch ein terminus post quern der Zerstorungen an der via
praetoria gegeben ist. Dieses Datum sollte auch als terminus post quern fur die Vergra-
bung der oben erwahnten zwei Miinzschatzfunde im Gebiet von Regensburg betrachtet
werden. Jedenfalls zeigen diese Schatzfunde eine andere Struktur als die Miinzschatz-
funde von Vattis6'' und Oberriet'''1 im Alpenrheintal, die noch Munzen von Claudius
II. und Aurelianus enthalten und - m.E. mit Unrecht - mit den Ereignissen um 270 in
Zusammenhang gebracht wurden66.
Zusammenfassend konnte man folgendes feststellen:
- Die Analyse der Struktur der raetischen Miinzschatzfunde der Mitte des 3. Jahrhun-
derts ergibt keinen Anhaltspunkt fur ihre Vergrabung um 259/260.
- Die numismatische Evidenz entspricht dem verfugbaren archaologischen Bild fehlen-
der Zerstorungen in der Provinz Raetien dieseits der Donau zu dieser Zeit.
" Dietz/Osterhaus (Anm. 20) 123 nahmen jedoch an: beide „259/260 endenden Munzschatze ...
konncn ... erst nach 270 vergraben worden sein".
'•"U. Osterhaus, Bayer. Vorgeschbl. 39, 1974, 165-167.
'•' H.-J. Kellner, Germania 31, 1953, 219.
62 K. Schwarz, Jahresber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 13/14, 1972/73, 42.
R. Gobi, Die Munzpragung des Kaisers Aurelianus (270/275). Moneta Imperii Romani 47 (Wien
1993) 63.
44 Ovcrbeck (Anm. 45) 127 ff.
'•'Ebd. 109 ff.
"Ders., Alamanneneinfaile in Raetien 270 und 288 n.Chr. Jahrb. Num. u. Geldgesch. 20, 1970, 87;
ders. (Anm. 5) 200.
144
Peter Kos, Numismatische Quellen zum Datum 259/260 in Raetien
- Der Abschnitt aus der Lobrede „...amissa Raetia..." konnte sich auf die Aufgabe
des transdanubischen Teils der Provinz Raetien beziehen.
- Aufgrund der archaologischen und numismatischen Quellen zur Provinz Raetien
steht erst das Jahr 272 als terminus post quern fur eventuell schwerwiegende germani-
sche Einfalle in den nordostlichen Teil der Provinz zur Verfugung.
Anschrift des Verfassers;
Peter Kos
NumizmatiCni Kabinet Narodnega Muzeja
Presernova 20
SLO-61000 Ljubljana PP 529-X